Check24, Verivox und Co. | So schützen Sie sich vor den Tricks der Vergleichsportale

Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox geben sich neutral und unabhängig. Doch Verbraucherschützern zufolge kassieren sie hohe Provisionen und geben fragwürdige Empfehlungen. Darauf sollten Sie achten.


Eigentlich sind Vergleichsplattformen eine gute Erfindung. Denn ihnen ist es zu verdanken, dass es Verbraucher heutzutage viel leichter haben, ihren Stromanbieter zu wechseln, eine günstige Versicherung abzuschließen oder das beste Girokonto zu finden. Einige wenige Klicks genügen, um das alles zu erledigen. Mehrere Millionen Menschen steuern monatlich Anbieter wie Check24 oder Verivox an, in dem Glauben, das beste und billigste Produkt zu finden. Das vollmundige Werbeversprechen des Marktführers lautet: "Hier check ich alles."



Screenshot Check24 Vergleich Berufsunfähigkeitsversicherung

Aber seit Längerem werden Zweifel an der Unabhängigkeit der Portale laut, deutschlandweit kritisieren Verbraucherschützer die Anbieter und fordern strengere Regeln für sie. "Alle großen Portale geben sich betont objektiv und verbraucherfreundlich. In Wahrheit wirken sie bei näherer Betrachtung wie reine Verkaufsmaschinen, die Verbraucher immer wieder täuschen können", sagt etwa Dirk Ulbricht vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen.

Kaum ein anderer hat sich in den vergangenen Monaten so intensiv mit den Portalen beschäftigt wie er, kürzlich veröffentlichte der Wissenschaftler eine Studie über die Vergleichsbranche. Der Befund: Viele Tricks der Portale sind für Verbraucher schwer zu durchschauen, besonders beim Kreditvergleich lauern viele Fallen.

Die Portale verdienen ihr Geld nicht mit dem Preisvergleich, sondern wenn ein Produkt über ihre Seite verkauft wird. Ähnlich wie viele Finanzberater kassieren sie dafür Provisionen, die oft höher sind als im analogen Vertrieb. Der Verbraucher allerdings merkt davon oft nichts.


Auch Justiz und Politik haben die Portale inzwischen ins Visier genommen: Im April stellte das Bundeskartellamt in einer großen Untersuchung unter 36 Anbietern erhebliche Mängel fest: Einige Verhaltensweisen der Vergleichsportale entsprächen "nicht dem Idealbild einer neutralen Plattform".

Zuvor hatte Marktführer Check24 auf eine Entscheidung des Landgerichts München reagiert und seine Verbraucherinformation nachbessern müssen: Seither informiert das Onlineportal seine Kunden früher als bisher darüber, dass das Unternehmen Provisionen für die Vermittlung von Versicherungsverträgen erhält.


Aber welche Fallen und Tricks wenden die Portale immer noch an? Worauf gilt es zu achten, wenn man sie nutzt? Diese fünf Tipps sollten Sie kennen:


1. Filter anpassen und über Vergleichsauswahl informieren

Wer sich etwa bei Check24 eine Liste möglicher Kreditangebote anzeigen lässt, muss auf die Option "Filter" klicken, um zu erkennen, dass nur "Check24 geprüfte Banken/Vermittler" in die Auswahl mit einbezogen sind. Die Auswahl vergrößert sich nur, wenn der Verbraucher aktiv die Option "Alle Kredit-Banken/Vermittler" wählt. Unter Umständen tauchen dann günstigere Angebote im Ranking auf.

Doch erst wer bis ans Seitenende scrollt und die Liste der teilnehmenden Partner aufruft, erfährt, dass selbst dann nicht alle in Deutschland aktiven Banken am Vergleich teilnehmen. "Das mit dem Slogan 'Ich checke alles' zu bewerben, halte ich für bewusste Irreführung", findet Ulbricht.


Christian Nau, Check24-Geschäftsführer für den Kreditbereich, kann den Vorwurf nicht nachvollziehen. Als Marktführer biete Check24 den größten Vergleich an, nur einige wenige Institute seien nicht dabei. "Wir zeigen zunächst vorgeprüfte Banken und Vermittler an, weil wir bei diesen Angeboten sicherstellen können, dass unter anderem der Prozess der Kreditvergabe gut funktioniert." Bei ungeprüften Banken könne man das nicht immer garantieren.


2. Bei Kreditangeboten den richtigen Zins erkennen

Verbraucher sollten auch darauf achten, wie beim Kreditvergleich der angebotene Zins im Ranking präsentiert wird. Denn oftmals geben die Portale eine Zinsspanne an, wobei sie den niedrigsten Zinssatz optisch hervorheben. Nur wer auf die winzige Fußnote klickt und über etwas Vorwissen verfügt, erfährt: Zwei Drittel aller Kunden erhalten den Zinssatz, der sich eher am oberen Ende der Zinsspanne befindet.


"Dieser ist oftmals um ein Vielfaches höher, als der hervorgehobene Wert, der dem Verbraucher als erstes ins Auge springt", sagt Ulbricht. Diesen günstigen Satz erhielten aber nur Kunden, die über eine sehr gute Bonität verfügten, also aufgrund ihrer Einkommenssituation sehr kreditwürdig seien. Das seien aber oft ausgerechnet diejenigen, die gar keinen Kredit bräuchten, weil sie genug Geld hätten. "Auch hier wird der Verbraucher in die Irre geführt", sagt Ulbricht.


Auch diesen Vorwurf weist Check24-Geschäftsführer Nau zurück: "Wir reagieren mit unserer Übersicht auf den Wunsch unserer Kunden, den für sie günstigsten Zins zu finden." Da die Bonität eines anonymen Kunden im ersten Schritt noch unbekannt sei, mache es Sinn, eine Zinsspanne anzugeben. Die Zinssätze nach dem günstigsten Angebot zu sortieren, sei Standard in der gesamten Branche.

3. Kostenfallen vermeiden

Eine Kostenfalle kann auch dem Verbraucher gestellt werden, der sich letztendlich für einen Kredit entscheidet. Viele Portale bieten kurz vor Abschluss automatisch eine sogenannte Restschuldversicherung an. Solche Versicherungen hören sich erst einmal sinnvoll an, weil sie Geld versprechen bei Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und Tod. Doch sie sind sehr teuer, zahlen nur in bestimmten Fällen und erhöhen die Kreditkosten erheblich.


Oft werden die Versicherungen den Kunden als alternativlos dargestellt. "Diese Produkte erscheinen mir als die reinste Abzocke. Ich vermute, die Portale versuchen sie den Kunden unterzuschieben, um ihren Gewinn zu erhöhen", sagt Ulbricht. Wer eine solche Versicherung nicht will, muss sein Häkchen bei "Keine Versicherung" setzen.


4. Rankingabfolge richtig bewerten

Beim Vergleich von Energie- und Telekommunikationstarifen zeigen Portale wie Verivox einzelne Angebote oberhalb des eigentlichen Rankings an, auf der sogenannten Position 0. Die Portale erhalten dafür teilweise Zahlungen von den Anbietern und informieren den Verbraucher nur in einem kleinen Hinweis, dass es sich um Werbung handelt. "Herausgestellte Angebote sind teilweise bezahlte Werbung und nicht Teil des Rankings", sagt Ulbricht. Hier sollten Verbraucher schauen, ob das herausgestellte Angebot wirklich gegenüber den anderen Produkten Vorteile bietet.


5. Vorsicht bei der Suche auf mehreren Plattformen

Es ist gut, wenn Verbraucher mehrere Portale nutzen und die Ergebnisse miteinander vergleichen. Dabei sollten Kunden aber Folgendes beachten: Wenn zwei unterschiedliche Portale dieselben Ergebnisse zeigen, könnten sie kopiert worden sein. Das lässt sich über das Impressum herausfinden. Nur ein unabhängiges Zweitportal liefert auch eine unabhängige Zweitmeinung.




Quelle: spiegel.de, Henning Jauernig


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