Betriebliche Krankenversicherung | Betriebliche Pflegeversicherung

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist eine durch den Arbeitgeber organisierte und meist auch finanzierte Form der Krankenversicherung, von der Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren.

 

bKV bindet Fachkräfte an das Unternehmen


Die Unternehmen zählen das Angebot  einer  zusätzlichen Gesundheitsvorsorge zu den wichtigsten Zusatzleistungen für ihre Angestellten. Und auch den Arbeitnehmern ist diese Form der Absicherung gegen Krankheitsrisiken oft wichtiger als andere Vergünstigungen des Arbeitgebers. Schon bei früheren Umfragen hatten sie der bKV den Vorzug vor Firmen-Extras wie etwa Tickets für den Personennahverkehr oder Mobiltelefonen gegeben. Mittlerweile wäre jedem vierten Arbeitnehmer eine vom Chef bezahlte private Krankenzusatzversicherung sogar wichtiger als eine Gehaltserhöhung.
 

Damit wird die betriebliche Krankenversicherung ein zunehmend wichtigeres Instrument gegen den Fachkräftemangel. Knapp 60 Prozent der deutschen Unternehmen bezeichnen den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko (DIHK-Konjunkturumfrage Herbst 2019). Und die Situation wird sich durch die Alterung der Bevölkerung weiter verschärfen: Laut Vorausberechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bereits in den kommenden zehn Jahren um 3,9 Millionen sinken. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, qualifizierte Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden.

Dass die Zahl der Arbeitnehmer abnimmt und dass die Belegschaften älter werden, müssen immer mehr Firmen schmerzlich erfahren.

Drei Problemfelder entstehen dadurch für den Arbeitgeber

-> Es wird zunehmend schwieriger den Bedarf an Fach- und Führungskräften zu decken. Das betrifft sowohl die Gewinnung neuer, als auch die Bindung vorhandener Mitarbeiter.


-> Die Belegschaften in den Unternehmen altern. Da die krankheitsbedingten Ausfallzeiten mit zunehmendem Alter steigen, führt das zu einem erheblichen Produktivitätsverlust und zu einer Erhöhung der krankheitsbedingten Kosten.


-> Die Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung werden immer weiter reduziert und das trotz steigender Beitragssätze. Durch die schlechtere Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter verlängern sich die Genesungs- und damit die Ausfallzeiten und darüber hinaus steigen durch die Erhöhung der Beitragssätze auch noch die Lohnnebenkosten.

Chart & Stethoskop

Wie funktioniert die bKV?

 

Die bKV kann aus „Bausteinen“ entsprechend den Wünschen und Bedürfnissen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammengesetzt werden. Sie versteht sich als Ergänzung zur Gesetzlichen Krankenversicherung und soll Gesundheitsleistungen abdecken, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht oder nur zum Teil bezahlen wie beispielsweise Zahnzusatzversicherungen, Wahlleistungen im Krankenhaus, aber auch Auslandsreisekranken-, Krankentagegeld- oder Pflegezusatzversicherungen. Sie hilft also, bei den gesetzlich Versicherten Lücken in der Versorgung zu schließen.

Das Angebot der bKV kann durchaus günstiger sein als bereits bestehender Versicherungsschutz. Entscheidend ist für Arbeitnehmer, ob und zu welchen Bedingungen die Leistungen der bKV weiterversichert werden können, wenn sie den Arbeitgeber wechseln, in Rente gehen oder der Arbeitgeber den Rahmenvertrag für die bKV kündigt. Der Neuabschluss eines vergleichbaren Tarifs ist schon wegen des höheren Eintrittsalters immer teurer als der frühere Tarif. Wichtig ist, dass Versicherte darauf achten, Versicherungen nicht „doppelt“ zu zahlen. 

bKV-Beiträge sind wieder steuerfrei

 

Seit 2020 sind Zuwendungen von Arbeitgebern für eine betriebliche Krankenversicherung wieder steuer- und sozialabgabenfrei. Durch das Jahressteuergesetz 2019 wurde klargestellt, dass zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen, Geldsurrogate und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, grundsätzlich keine Sachbezüge, sondern Geldleistungen darstellen. Im Übrigen bleibt es hinsichtlich der steuerlichen Behandlung der bKV bei den Grundsätzen, die der Bundesfinanzhof in seinen Urteilen vom 7. Juni und 4. Juli 2018 (VI R 13/16 und VI R 16/17) zur Abgrenzung zwischen Geldleistung und Sachbezug fortentwickelt hat.

Konkret bedeutet dies, dass der Arbeitgeber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine bKV im Rahmen der Freigrenze für Sachbezüge steuer- und sozialabgabenfrei gewähren kann. Diese Grenze wurde zum 1. Januar 2022 von 44 auf 50 Euro angehoben. Voraussetzung ist, dass die Zuwendung ausschließlich als Versicherungsschutz und nicht als Geldleistung gewährt wird. Wenn das Unternehmen hingegen einen Geldzuschuss mit der Bedingung auszahlt, dass der Arbeitnehmer einen Versicherungsvertrag mit einem Unternehmen schließt, handelt es sich weiterhin um zu versteuernden Barlohn.

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Arztbesuch

WELCHE VORTEILE ERGEBEN SICH FÜR DEN ARBEITNEHMER?

• Aufnahmegarantie trotz Vorerkrankungen
• Vergünstigte Konditionen
• Verbesserung der Arbeitszufriedenheit

 

EIN BEISPIEL
 

Einer Deiner Kundendienst-Mitarbeiter hatte schon lange Rückenprobleme. Nach einem Bandscheibenvorfall hat er nun endlich beschlossen etwas für seine Gesundheit zu tun und beginnt regelmäßig Sport zu treiben. Bei einer seiner Joggingrunden übersieht er allerdings ein Schlagloch. Er stolpert so unglücklich, dass er sich mehrere Bänder im Knie reißt. Stehen und erst recht Autofahren sind ihm nun leider nicht mehr möglich. Glücklicherweise hatten Sie in der Woche zuvor eine betriebliche Krankenversicherung mit einem Tarif abgeschlossen, der Deinem Mitarbeitern für ambulante und stationäre Operationen wahlärztliche Behandlung und bei stationären Operationen ein Einbettzimmer absichert. Dein Mitarbeiter kann daher einen ausgewiesenen Spezialisten für die notwendige Operation konsultieren.

Deinem Mitarbeiter selbst wäre ein solcher Versicherungsschutz aufgrund seiner Vorerkrankungen höchstwahrscheinlich verwehrt geblieben

WELCHE VORTEILE ERGEBEN SICH FÜR DEN ARBEITGEBER?

• Imageaufwertung des Unternehmens
• Attraktivität bei der Mitarbeitergewinnung steigt

 

WEITER IM BEISPIEL
 

Auch für Dich ergibt sich durch Deine Entscheidung für die betriebliche Krankenversicherung hier nun ein unmittelbarer Nutzen. Aufgrund der Behandlung durch den Speziallisten verheilen die Folgen der Operation ungewöhnlich schnell. Und da Dein Mitarbeiter durch die Zusatzversicherung als Privatpatient gilt, ließ sich die Wartezeit auf die Operation auch beträchtlich verkürzen, so dass die Ausfallzeit Deines Mitarbeiters nur einen Bruchteil dessen betrug, was ohne Zusatzversicherung zu erwarten gewesen wäre.

Und auch Dein Mitarbeiter freut sich, dass ihm aufgrund Deiner Fürsorge viele Wochen mit Schmerzen erspart wurden.

Fazit:

 

Die betriebliche Krankenversicherung ist ein einfach installierbares, hervorragendes Instrument zur indirekten Steigerung der Produktivität der Mitarbeiter, da die Motivation gesteigert und die Verweildauer im Krankenstand gesenkt wird. Auch das „Wir-Gefühl“ und die damit verbundene Loyalität zur Firma kann durch die kollektive Krankenergänzung gesteigert werden. Da auch die Mitarbeiter konkreten praktischen Nutzen - bei keiner oder nur einer geringen finanziellen Belastung - haben, führt die Einführung der betrieblichen Krankenversicherung zu einer echten Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Meditation am Meer

Wusstest Du, dass Dein Bruttowertschöpfungs-Ausfall im Unternehmen allein durch Arbeitsunfähigkeit Deiner Mitarbeiter pro Tag zwischen 117€ und 284€ liegt und Deine Mitarbeiter durchschnittlich zwischen 16,7 und 21,8 Tagen im Jahr durch Arbeitsunfähigkeit ausfallen?

Schätzung der Produktionsausfallkosten: Lohnkosten und Verlust an Arbeitsproduktivität

 

Die Schätzung der volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit vermittelt einen Eindruck vom Präventionspotenzial - hier für das Jahr 2020.

Seit 1994 und damit erstmals für das Jahr 1993 schätzt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit. Mit einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 17,1 Tagen je Arbeitnehmer/-in ergeben sich im Jahr 2020 insgesamt 700,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Ausgehend von diesem Arbeitsunfähigkeitsvolumen schätzt die BAuA die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle auf insgesamt 87 Milliarden Euro bzw. den Ausfall an Bruttowertschöpfung auf 144 Milliarden Euro.

Quelle: https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitswelt-und-Arbeitsschutz-im-Wandel/Arbeitsweltberichterstattung/Kosten-der-AU/Kosten-der-Arbeitsunfaehigkeit_node.html

Arbeitsunfähigkeitstage 2020 Produktionsausfallkosten
Arbeitsunfähigkeitstage 2020

Von einer betrieblichen Krankenversicherung (bKV) profitieren nicht nur Beschäftigte, sondern auch der Arbeitgeber.

 

Kosteneinsparungen durch reduzierte Fehlzeiten sind nur ein Vorteil.

Hier dazu ein Interview mit Bettina Belkner, Vorstand des Kreisverbandes Muldental im Deutschen Roten Kreuz. Sie erzählt aus eigener Erfahrung, was die bKV sonst noch alles bewirkt.

Pfefferminzia: Frau Belkner, seit wann bietet Ihr Kreisverband seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine betriebliche Krankenversicherung an – und was war der Grund für diesen Schritt?

Bettina Belkner: Seit dem 1. Januar 2017. Ein Vertreter unserer Versicherung kam auf uns zu, weil er uns als innovativen Arbeitgeber kennengelernt hatte und fragte, ob eine bKV nicht etwas für uns sei. Als wir das Produkt dann im Detail kennenlernten, sahen wir für uns Potenziale, den derzeit sehr hohen durchschnittlichen Krankenstand zu minimieren und etwas für die Gesundheit unserer Mitarbeiter tun zu können. Das war deshalb so interessant, weil wir 2016 mit durchschnittlich 33 Krankheitstagen pro Mitarbeiter recht hohe Fehlzeiten hatten. Das war einer der Gründe, warum wir uns für die bKV als rein arbeitgeberfinanzierte Versicherung entschieden haben.

Und, sind bereits erste Erfolge zu verzeichnen?

Ja, ganz deutlich. Wir liegen jetzt bei 18 Tagen je Mitarbeiter, konnten die durchschnittlichen Krankheitstage also nahezu halbieren. Das ist sicher auch auf die Leistungen unserer bKV zurückzuführen.

Welche Leistungsbausteine beinhaltet Ihre Police?

Unter anderem die stationäre Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer mit Chefarzt- beziehungsweise Wahlarztbehandlung, den Anspruch auf eine medizinische Zweitmeinung im ambulanten Bereich, vor allem aber einen Facharzt-Terminservice, der sehr hilfreich ist. Wir haben nämlich festgestellt, dass in der Vergangenheit einige Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum ausgefallen sind, weil sie lange auf einen Facharzttermin warten mussten. Dementsprechend spät kam die Diagnose und umso länger dauerte anschließend die Behandlung. Mit der bKV geht das nun alles deutlich schneller.

Vom Kosten-Nutzen-Verhältnis her hat sich die Investition also gelohnt?

Eindeutig, auch wenn der finanzielle Aspekt für uns nicht im Vordergrund stand. Entscheidend ist: Wir haben zufriedene Mitarbeiter. Die Grundstimmung ist in einem Betrieb wie unserem mit fast 500 Beschäftigten enorm wichtig. Mir als Vorstand kam es darauf an, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die bestmögliche medizinische Versorgung genießen. Darüber hinaus bieten wir weitere Möglichkeiten, wie sie aktiv etwas für ihre Gesundheit tun können. Gerade steht der Neubau unseres Rot-Kreuz-Zentrums an. Dort planen wir für die Zukunft weitere Möglichkeiten für die Mitarbeiter sich sportlich betätigen zu können. Die betriebliche Krankenversicherung ist also für uns wesentlicher Bestandteil eines gesundheitlichen Gesamtkonzeptes.

Wie kam die bKV bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an?

Na ja, wenn ein neues Angebot vom Arbeitgeber kommt, denken viele Beschäftigte ja erst einmal: Hoppla, wo ist hier der Haken? Es war also nicht so, dass alle auf Anhieb in Jubel ausgebrochen sind. Man muss die bKV in der Belegschaft gut erklären. Dafür haben wir uns ein halbes Jahr Zeit genommen. Bei der Weihnachtsgala 2016 haben wir sie dann symbolisch als Weihnachtsgeschenk überreicht. Inzwischen haben eigentlich alle den enormen Mehrwert einer arbeitgeberfinanzierten, privaten Krankenzusatzversicherung erkannt. Wir erhalten viele positive Rückmeldungen, die wir auch regelmäßig in der Belegschaft kommunizieren, zum Beispiel über unseren Newsletter.

Hilft Ihnen die betriebliche Krankenversicherung auch bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter?

Sicher nicht als Allheilmittel, aber sie ist ein ganz wichtiger Teil eines Gesamtbildes, mit dem wir uns nach außen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Was Fachkräftemangel bedeutet, erleben wir jeden Tag ganz konkret. Die betriebliche Krankenversicherung hilft uns in dieser schwierigen Situation auf jeden Fall.

Was versprechen Sie sich langfristig von der bKV?

Unser Ziel für das nächste Jahr ist es, ihre Möglichkeiten noch umfassender wahrzunehmen. Gesundheitstage im Betrieb, medizinische Fachvorträge, ein Gesundheits-Check am Arbeitsplatz – all diese Leistungen sind ja möglich. Das wollen wir nutzen, um damit die Mitarbeiterzufriedenheit weiter zu erhöhen.

Quelle: https://www.pfefferminzia.de/bkv-in-der-praxis-wir-haben-die-zahl-der-krankheitstage-dank-bkv-fast-halbiert/