Zahl des Tages – Krankenversicherung – 07.03.2019


572

Euro kostet im statistischen Mittel ein Arztbesuch in Deutschland. Dies ergaben Berechnungen der Barmer EK, die in dem durch die Krankenkasse veröffentlichten „Arztreport 2019“ zu lesen waren. Darüber hinaus stattete jeder Deutsche demnach mehr als acht Besuche bei durchschnittlich 3,5 Arztpraxen ab.


Die häufigsten Gründe für einen Arztbesuch

Die am häufigsten gestellte Diagnose bei einem Arztbesuch ist Bluthochdruck. Dahinter folgen Rückenschmerzen, die ab der Altersgruppe ab 15 Jahren immer auf einem der vorderen Plätze landen. An dritter Stelle liegen Krebsvorsorge-Untersuchungen. Im klassischen Erwerbsalter zwischen 25 und 64 Jahren werden häufig auch psychische Erkrankungen diagnostiziert. Dies zeigt der Barmer Arztreport 2019.


Im Schnitt mehr als acht Mal pro Jahr geht jeder Deutsche zum Arzt. Die durchschnittlichen Kosten für ambulant-ärztliche Behandlungen liegen pro Person bei 572 Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der vergangene Woche veröffentlichte „Arztreport 2019“ der Barmer (VersicherungsJournal 1.3.2019, 4.3.2019).

Basis der Untersuchung sind die anonymisierten Daten der 9,27 Millionen Versicherten der Krankenkasse, das sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Die kamen 2017 auf fast 87 Millionen Behandlungsfälle mit knapp 378 Millionen dokumentierten Diagnoseschlüsseln und rund 680 Millionen Abrechnungsziffern, heißt es in dem Report.


Jeder achte Versicherte sucht mehr als sechs Ärzte im Jahr auf

Wie der Report weiter zeigt, suchen die Bundesbürger nicht nur einen behandelnden Doktor auf – im Schnitt besuchte jeder Patient im Berichtsjahr etwa 3,5 Arztpraxen. Über 40 Prozent wurden bei vier oder mehr Medizinern beziehungsweise Praxen vorstellig.

Bei über jedem neunten Versicherten wurden Leistungen von mehr als sechs unterschiedlichen Betriebsstätten behandelnder Ärzte abgerechnet, und immerhin 1,5 Prozent der Patienten suchten sogar mehr als zehn unterschiedliche Ärzte auf.


Die häufigsten Diagnosen

Ermittelt wurden im Rahmen des Reports ferner die Ursachen, warum ein Behandler aufgesucht wurde.

Häufigste Diagnose (dreistellige ICD-10-Schlüssel) war essentielle (primäre) Hypertonie (I10), also Bluthochdruck. Bei deutlich mehr als jedem vierten Patienten wurde mindestens einmal innerhalb des Jahres 2017 im Rahmen der ambulanten ärztlichen Versorgung eine entsprechende Diagnose dokumentiert. Nach Geschlechtern gibt es hier keine auffälligen Abweichungen.

Ganz anders sieht dies bei der am zweithäufigsten gestellten Diagnose Rückenschmerzen aus (Diagnoseschlüssel M54). Diese wurden deutlich häufiger bei Frauen (knapp 29 Prozent Anteil) als bei Männern (22 Prozent) festgestellt. Insgesamt lag der Anteil bei knapp über einem Viertel.

Dahinter folgen spezielle Verfahren zur Untersuchung auf Neubildungen (Diagnoseschlüssel Z12), akute Infektionen an mehreren oder nicht näher bezeichneten Lokalisationen der oberen Atemwege (J06) sowie Akkommodationsstörungen und Refraktionsfehler (H52) mit Anteilen von jeweils über 20 Prozent.


Riesige Geschlechter-Unterschiede bei Krebsvorsorge

Immense Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind insbesondere bei den Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen zu beobachten. Eine solche wurde im Berichtsjahr bei nicht einmal jedem zehnten Mann, dafür aber bei mehr als jeder dritten Frau durchgeführt.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass Krebsvorsorge geschlechtsspezifisch in verschiedenem Umfang und Rhythmus von den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden. Eine Übersicht hierzu findet sich auf dieser Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).


Bluthochdruck wird ab dem mittleren Alter am häufigsten diagnostiziert

In dem Report werden die häufigsten Gründe für einen Arztbesuch auch nach Altersgruppen aufgelistet. Bei Säuglingen und Kleinkindern bis vier Jahre (rund vier Prozent Bevölkerungsanteil) liegen Routine- beziehungsweise Früherkennungs-Untersuchungen und Impfungen (U1 bis U9) an der Spitze.

Diese wurden bei fast jedem Versicherten dieser Altersgruppe durchgeführt. Darüber hinaus war mehr als jeder Zweite aus dieser Generation von akuten Infektionen (J06) betroffen. Diese Diagnose wurde bei den Kindern zwischen fünf und 14 Jahren (etwa neun Prozent Bevölkerungsanteil) sogar am häufigsten gestellt – und zwar bei fast jedem Dritten. An zweiter Stelle folgt der Diagnoseschlüssel H52 mit einem Anteil an Betroffenen von fast einem Viertel.

Zwischen dem 15. und dem 39. Lebensjahr kommen akute Infektionen (Diagnose J06) auf den größten Anteil beim männlichen Geschlecht. Bei den Damen sind es mit rund zwei Drittel Anteil kontrazeptive Maßnahmen (Z30).

Ab dem 40. Lebensjahr liegt bei den Herren dann Bluthochdruck (I10) an der Spitze, bei den Frauen erst ab dem Alter 65. Bei diesen werden im Alter zwischen 40 und 64 Jahren am häufigsten spezielle Verfahren zur Untersuchung auf Neubildungen (Z12) durchgeführt.


So häufig werden psychische Erkrankungen diagnostiziert

Beim Blick auf die Verteilung der Diagnosen in den verschiedenen Altersgruppen fällt auf, dass ab dem Alter 25 Jahre gehäuft psychische Erkrankungen behandelt werden.

Diese gehören verschiedenen Erhebungen zufolge sowohl zu den häufigsten Ursachen für private Berufsunfähigkeits- (VersicherungsJournal 29.3.2018, 8.5.2018) wie auch gesetzliche Erwerbsminderungs-Renten (VersicherungsJournal 22.8.2018).

Bei Versicherten zwischen dem 25. und dem 64. Lebensjahr tauchen – unabhängig vom Geschlecht – mit depressiven Episoden (F32) und somatoformen Störungen (F45) gleich zwei Diagnosen aus diesem Bereich auf den vorderen Plätzen der Rangliste auf. Bis zu jeder fünfte Herr und bis zu fast vier von zehn Damen sind davon betroffen.


Bei den Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts gehören die beiden vorgenannten Diagnosen auch in der Altersgruppe zwischen 65 und 79 Jahren


„Volkskrankheit“ Rückenschmerzen?

Auffällig ist zudem, dass die Diagnose Rückenschmerzen (M54) in allen Altersklassen ab 15 Jahren vergleichsweise häufig auftritt und weit oben in der Rangliste gestellten Diagnosen landet.

Hiervon ist bereits bei den 15- bis 24-Jährigen fast jeder neunte Mann und etwa jede siebte Frau betroffen. Der Anteil steigt mit zunehmendem Alter deutlich an – auf rund ein Drittel bei den Herren beziehungsweise auf etwa 40 Prozent bei den Damen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in den jüngeren Jahren etwas seltener Rückenschmerzen diagnostiziert, bei den Senioren hingegen etwas häufiger.


Der 280-seitige Barmer Arztreport 2018 kann unter diesem Link (PDF, 3,7 MB) heruntergeladen werden.




Quelle: versicherungsjournal, 06.03.19


https://www.versicherungsjournal.de/markt-und-politik/die-haeufigsten-gruende-fuer-einen-arztbesuch-135022.php